Des knaben wunderhorn tannhauser - kmk67.ru

Arnim, Ludwig Achim von, Gedichte, Des Knaben Wunderhorn

Da war er wieder in den Berg, Darinnen sollt er nun bleiben, So lang bis an den jüngsten Tag, Wo ihn Gott will hinweisen. Das soll nimmer kein Priester thun, Dem Menschen Mistrost geben, Will er denn Buß und Reu empfahn, Die Sünde sey ihm vergeben. Tannhäuser ach, wie sprecht Ihr so, Bestehet Ihr mich zu schelten? Sollt ihr noch länger bei uns seyn, Des Worts müßt Ihr entgelten. Tannhäuser wollt Ihr Urlaub han, Nehmt Urlaub von den Greisen, Und wo Ihr in dem Land umbfahrt, Mein Lob das sollt Ihr preisen.

Herr Tannhäuser nicht sprecht also, Ihr seyd nicht wohl bey Sinnen, Nun laßt uns in die Kammer gehn, Und spielen der heimlichen Minnen. Eure Minne ist mir worden leid, Ich hab in meinem Sinne, O Venus, edle Jungfrau zart, Ihr seyd ein Teufelinne.

Du sagst mir viel von der Höllengluth, Du hast es doch nicht befunden, Gedenk an meinen rothen Mund, Der lacht zu allen Stunden. Was hilft mich Euer rother Mund, Er ist mir gar unmehre, Nun gib mir Urlaub Frau Venus zart, Durch aller Frauen Ehre. Der Tannhäuser zog wieder aus dem Berg, In Jammer und in Reuen: »Ich will gen Rom in die fromme Stadt, All auf den Pabst vertrauen. Nun fahr ich fröhlich auf die Bahn, Gott muß es immer walten, Zu einem Pabst, der heißt Urban, Ob er mich wolle behalten. Sollt ich leben nicht mehr denn ein Jahr, Ein Jahr auf dieser Erden, So wollt ich Reu und Buß empfahn, Und Gottes Gnad erwerben.« Da zog er wieder aus der Stadt, In Jammer und in Leiden: »Maria Mutter, reine Magd, Muß ich mich von dir scheiden, So zieh ich wieder in den Berg, Ewiglich und ohn Ende, Zu Venus meiner. Seyd willkommen Tannhäuser gut, Ich hab Euch lang entbehret, Willkommen seyd mein liebster Herr, Du Held, mir treu bekehret.« Darnach wohl auf den dritten Tag, Der Stecken hub an zu grünen, Da sandt man Boten in alle Land, Wohin der Tannhäuser kommen.

Herr Tannhäuser, wie saget ihr mir! Ihr sollet bey uns bleiben, Ich geb Euch meiner Gespielen ein, Zu einem eh'lichen Weibe. Nehme ich dann ein ander Weib, Als ich hab in meinem Sinne, So muß ich in der Höllen-Gluth, Da ewiglich verbrennen.